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Text ausdrucken? hier Kunst kommt nicht von Können, allerdings bedarf visionäre Inspiration individueller Kunstfertigkeit um in Erscheinung zu treten. Zwischen Imagination und Kunstfertigkeit besteht universelle Co-Abhängigkeit wie zwischen Göttlichkeit und Mensch. Die schönsten Bilder treten weder allein durch Können noch allein durch Nichtkönnen in Erscheinung, sondern im Moment, indem kreativer Impuls und Raum gebende Meditation in Liebe sich einen. Falls niemand denkt, tritt Helle ein. Energetisches Flimmern, unscharf bis scharf, bis hin zum dreidimensionalen visionären Traumraum. Schöpferische Vision ereignet sich von Kontrolle unabhängig, ergreift von irgendwoher, benutzt meinen irdischen Körper als Projektionswand, als Darstellungsbühne, als Werkstatt, um sichtbar zu werden. Bis zu dem Zeitpunkt des Erscheinens gibt es keinen aktiven Künstler, keinen Urheber, keinen Autor. Ein Genie tut, obwohl es sich auch sehr anstrengt und alles unternimmt, um einer Lösung, einer Erlösung näher zu kommen, im und am Wesentlichen gar nichts, lässt indessen staunend geschehen, was eh nicht zu verhindern wäre. Erst als jemand innen der Frage: Was ist? folgend, das Ereignis in vorhandene Muster zu integrieren beginnt und auf diese Weise persönliche Bezogenheit und Verständnis kreiert, wird der individuelle, schöpferische Geburtsakt eingeleitet. Als Malender greift man zum Pinsel. Ein Weggefährte könnte den Malenden jetzt fotografieren, während er das Bild aus dem Weiß heraushebt. So erlebt und so verstanden ähnelt ein echter Künstler eher einer Hebamme als einem Erzeuger oder Produzenten. Der unermesslichen Weite des Universums gegenüber gibt es keinen Plan, der nicht unversehens ins Lächerliche abgleitet. Ein echter Künstler produziert weniger als andere ahnen. Er lässt los, Bilder und Einsichten durch sich hindurch. Ein echter Künstler wirkt eher wie die Hebamme schöpferisch durch fühlende, wache Präsenz, nicht durch Aktion. Actionpainting hat viel von zwanghafter Regression und Geltungspanik. Alle Bilder kommen wie alle Gedanken von außen. Auch wenn sie grob gesehen von innen zu kommen scheinen. Sie kommen tatsächlich auch innen von außen, nämlich als Inspiration von außerhalb des Bewusstseins. Nichts Wirkliches, nichts tatsächlich Wirkendes stammt von mir, der individuellen Person, von meinem räumlich und zeitlich begrenzten Künstler-Ego. Das Ich nimmt sich Zeit, gestaltet und arrangiert allenfalls die Bühne, auf der das Drama abgeht, tackert Leinwand auf Keilrahmen, erlernt die mentale Kunst des Loslassens, so dass Spielraum für grafisch bildnerische Zeremonie sinnlich möglich wird, definiert durch Lebensweise den persönlichen Aspekt, unter dem kosmische Energie sich zeitlich, räumlich manifestieren möge Mit dem persönlichen Aspekt kommen alle Komponenten ins Spiel, die den Schöpfungsprozess im konkreten Hier und Jetzt eines Licht durchfluteten Ateliers oder einer dunklen Kammer im Keller oder am Waldrand oder im Regen bei stürmischem Gegenwind beeinflussen. Male ich im Schatten bei Kerzenschein und in von Rauchkegeln vernebeltem Zimmer, trage ich automatisch Farben eher zu hell auf, damit ich sie während des Malens gerade noch wahrnehme. In grellem Sonnenschein male ich eher zu dunkel, um den Augen Erholung zu gewähren. Im Winter mehr Rot, um Wärme zu kreieren, im Hochsommer eher Blautöne, um abzukühlen. Oder ich beeinflusse das innere Atelier durch Stoffe wie Kaffee oder starken Tee, gemischt mit Rotwein: Tee macht wach, Wein breit, so dass eine hervorragend wirksame Kraft entsteht, die Bilder nur so purzeln lässt. Ein relativ großes Bild von an die zwei Meter Länge malte ich bei über 38 Grad Fieber und zwar ganz langsam, weil ich kaum stehen konnte. Auch das funktioniert hervorragend. Eines malte ich im Vollsuff, obschon ich kaum imstande war, den Pinsel von Farben zu unterscheiden. Auch das funktioniert. Eben auch unter ungewöhnlichsten Bedingungen eine Frage der Konzentration. Andere Bilder malte ich in Hochstimmung oder schierer Verzweiflung oder in Wut und Zorn. Das gibt dem Pinselstrich beeindruckend flotten Duktus. Oder in tiefer Sehnsucht. Das verleiht einem Bilde zarte Süße. Oder in heiterer Gelassenheit. Das verleiht einem Bild transpersonale Weite und Humor. Ein entsprechend vielschichtiges Drama spielt sich zwischen fertigem Bild und Betrachter ab. Entdeckt der Betrachter Bilder verstaubt auf dem Dachboden, dann wirken sie anders als in einer Galerie akkurat elegant serviert. In Privaträumen verleihen Bilder dem intimen Milieu bei Kerzenschein den ganz besonderen Reiz. Andere imponieren in grellem Tageslicht eines Foyers. Jedem Bild entspricht ein ganz exquisiter Moment im Tageslauf, während dessen es sich von seiner besten, das heißt, farbtiefsten Seite offenbart. Jedes Bild hat ein Eigenleben wie der Künstler, wie der Betrachter. Je weiter wir das Gesamtspiel zwischen Künstler, Bild und Betrachter ins Bewusstsein bringen, desto komplexer wird die Bezogenheit. Neuerdings findet sich eine weitere Komponente authentischer Bezogenheit zum Bild. Vom ersten Bild an habe ich mir angewöhnt, je ein Foto zu machen. Wo auch immer die zahllosen Bilder heutzutage gelandet sind, von jedem gemalten Bild habe ich ein Foto mit Datum Nummer und Größe. Allerdings von unterschiedlichster Qualität. Ältere, grünstichige Polaroidfotos neben scharfen rotstichigen Kodak-Bildern. In grellem Licht aufgenommen, schwindet Farbtiefe, ebenso Kontraste. In manche habe ich nichts ahnend hineingeblitzt, so dass die frische Ölfarbe ätzende Helle reflektiert. Und so weiter. Jedes Bild vom Bild bezeugt und bekundet wiederum erneut Eigenleben. Dem setzte ich neuerdings noch einen drauf, indem ich sämtliche Bilder einscanne und in einem modernen Grafikprogramm bearbeite. Was geschieht dadurch? Der Entfaltungsgeschichte eines Bildes wird so eine neue Manifestationsstufe hinzugefügt. Stadium eins ist die feinstoffliche Vision, die von irgendwoher kommend auf einem inneren, seelischen Bildschirm erscheint oder im ganzen Körper kribbelt. Stadium zwei ist das Ergebnis des Hindurchfließens der transmateriellen Information vom Kopf durch den Körper, durch die Hand, durch den Finger, durch den Pinsel auf die Leinwand mit all seinen Komponenten psychischer, materieller und historischer Art. Da ist es nun, das frische Bild mit seiner ergreifenden Aura und Farbintensität. Um sie besonders zu unterstützen, fixiert man das getrocknete Bild mit besonderen Harzen. Waren wir als Kinder nicht alle darüber erstaunt, wie beeindruckend wertvoll gewöhnliche Steine aussehen, sobald sie nass sind? Einen ähnlichen Effekt bewirkt die Behandlung der Bildoberfläche mit speziellen Harzlösungen und Firnissen. In jenem Moment erreicht ein Ölbild seine ergreifendste Blühte. Von da an beginnt der Zerfallsprozess. Farben vergilben, Farbtiefe schwindet. Staub und Spinnegewebe, Schimmel. Stadium drei: das Foto des Bildes. Dadurch dass es layoutgerecht reproduziert in Katalogen und Büchern erscheint, spielen Gewicht und Größe keine Rolle mehr, statt dessen Perfektion der Reproduktionstechnik. Was wird durch Reproduktion erreicht? Der Gebrauch des Bildes für jedermann und ein Hauch von Ewigkeit. Doch nun dank moderner Computertechnik ein weiteres Stadium, das erstaunlicherweise dem ursprünglichen am nächsten zu kommen scheint, nämlich die virtuelle Digitalisierung des Materiellen. Sozusagen eine medientechnisch arrangierte Rückbesinnung in Richtung feinstofflicher Vision. Das zeitgemäße Spiel am Computer begeistert mich durchweg. Denn auf diesem Wege komme ich dem ursprünglichen Eindruck auf dem Als-Ob-Wege tatsächlich am nächsten. Vor allem Leuchtkraft! Und Helle, Tiefe, Tonwert, Schärfe, all das lässt sich ohne weiteres aus einem doch ziemlich vergilbten Foto wieder herausholen. Die Bilder erreichen nicht nur eine Brillanz, die sie selten im materiellen Stadium ihrer Verwirklichung erreichten, vor allem kommen sie der Intensität des ursprünglich Erschauten am nächsten. Was ist nun das Original? Die geistig subjektive Vision; das materialisierte, objektive Ölbild; das reproduzierte, vervielfältigte Foto oder die virtuelle Digitalisierung? Ein langer Wandlungsweg eines Bildes, jedes Stadium mit ganz besonderen Eigenarten, besonderen Chancen der Betrachtungszeremonie, besonderen realitätsbedingten Beschränkungen und dennoch: dasselbe Bild. Ein und dasselbe Bild in unterschiedlichsten Realitäten. Nichts ist Ursprung von allem: jedes Stadium erschient als durchlaufendes Modell einer begrenzen Dramaturgie. Vorangehendes können wir sinnvollerweise mit Original gleichsetzen, welchem Abbild, Abguss, Ebenbild und Kopie folgen. Indessen ein allem Vorangegangenes kann ich mit Hilfe biologisch, historischer Sicht nicht ausmachen, weil, sollte es doch etwas Derartiges geben, es entsprechend jenem Urkonzept Urknall außerhalb der Wahrnehmung läge. Was nun ein Original im Kontext lebendiger Kommunikation unter lebendigen Menschen sei, entscheidet allein das Bewusstsein des Menschen, der sich durch Bilder mitteilt oder geschäftlich mit ihnen zu tun hat oder seine Intimsphäre durch sie bereichert. Händler reduzieren den gesamten schöpferischen Prozess auf verkaufbare, be-spekulierbare Objekte, wie Spekulatius und ähnliche Spekulate. Restaurateure zerstören das Original, indem sie das natürliche Verfallsdatum aufheben. Infantile Konsumsüchtige verbrauchen unter vielem anderen auch massenhaft Bilder, weitgehend ohne jemals wirklich hinzusehen. Im kollektiven Großhirn der Menschheit, dem weltweiten Datennetz, erscheinen Bilder als brisante Mischung aus real und virtuell. Visionäre werden all dessen gewahr und bleiben trotz allem oder gerade deswegen weiterhin an Gottes Ball interessiert und deshalb: präsent.
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